00:00:00: Nun hat die Schlange natürlich noch die Eigenschaft, dass sie sich regelmäßig heutet.
00:00:03: Und dieser Prozess wurde schon in der Antike gedeutet als Fähigkeit zur Regeneration und Verjünge und Erneuerung.
00:00:25: Mit Anne Röstel vom Deutschen Apotheken-Museum in Heidelberg über Lifestyle-Trends aus dem Mittelalter.
00:00:31: Denn so modern die Begriffe Anti Aging und Longevity auch klingen, der Wunsch nach einem langen und jugendlichen Leben ist keineswegs neu!
00:00:38: Schon vor siebenhundert Jahren haben die Menschen nach Mitteln gesucht um das Alter aufzuhalten – aber mehr dazu wird uns heute Frau Röstl berichten.
00:00:45: Schön, dass Sie da sind.
00:00:46: Hallo!
00:00:46: Frau Rüssel, zu Halloween bieten sie im Apothekenmuseum aktuell ja eine Spezialführung zu unserem heutigen Thema Lifestyle Trends aus dem Mittelalter an.
00:00:54: Was erwartet die Besucherinnen und Besucher denn dabei?
00:00:57: Die Besucher erwarten dabei in erster Linie zu schauen also tatsächlich der moderne Lifestyle trend longevity ein Groß auf den Mittelalter ist weil auch im Mittelalter gab es natürlich diese Thematik das Leben zu verlängern.
00:01:12: und tatsächlich ist die englische Bezeichnung Longevity, eine Übersetzung aus dem ursprünglichen lateinischen Vita Longa.
00:01:19: Wie das Ganze der ganze Komplexe Mittelalter genannt wurde also Vita longa beinhaltet das Konzept wie verlängere ich mein Leben?
00:01:28: und dazu entstanden im Mittelalter schon diverse Literaturen mit Tipps wie dieses zu bewerkstelligen sei.
00:01:34: Und wie haben sich die Menschen im Mittelalter vorgestellt, ihre Lebenszeit zu verlängern?
00:01:39: Da muss man natürlich erst mal damit anfangen, wie man sich im Mittelalter überhaupt Alternsprozesse vorgestellt hat.
00:01:45: Da hatte man ja jetzt noch kein Konzept von Zellen und Zellalterung
00:01:49: usw.,
00:01:50: sondern man hat sich den Alternsprozess des Menschen als eine Feulung vorgestellt.
00:01:54: Der Körper besteht aus Vierseften... Blutschleim, schwarze Galle und gelbe Galle.
00:01:59: Und ein feuchter warmer Körper fängt im Laufe der Zeit an zu faulen an.
00:02:04: Das Ergebnis dieses Verfaulungsprozesses ist sozusagen der Tod.
00:02:08: Wo die Vita Longa Theorien einsetzen, ist diesen Feulungs-Prozess aufzuhalten durch entsprechende Mittel.
00:02:16: Und bestenfalls entweder zu stoppen oder vielleicht sogar umzukehren.
00:02:22: Dazu braucht man natürlich... bestimmte Substanzen, die einem jetzt so einfach nicht zur Verfügung standen.
00:02:28: Was waren das denn für Subtanzen?
00:02:30: Da kommen zwei Stränge im Spiel – einmal die antike Medizin und dann die Alchemie.
00:02:36: Die antike medizin hat die erste Substanz im Angebot gehabt, die man verwenden konnte Schlangenfleisch, weil man nämlich dachte der Verzehr von Schlangen-Fleisch macht einen Immun gegen das Gift der Schlange.
00:02:50: Nun hat die Schlange natürlich noch die Eigenschaft, dass sie sich regelmäßig heutet und dieser Prozess wurde schon in der Antike gedeutet als Fähigkeit zur Regeneration und Verjünge und Erneuerung so.
00:03:02: Und seit Plinius dem Älteren, der die monumentale Naturgeschichte geschrieben hat ist überliefert, Man mit dem Verzehr des Schlangenfleisches, diese Eigenschaft der Selbsterneuerung dann in den Körper aufnimmt und der Körper sich so selber reproduzieren kann auch bei Menschen.
00:03:21: Das heißt also Schlangen-Fleisch getrocknetes Schlangenfleisch, auch im Form von Trochiski, also kleinen Pastillen bekam man im dreizehnten Jahrhundert tatsächlich in der Apotheke.
00:03:32: Etwas schwieriger ist es dem anderen Traditionszweig und zwar den der Alchemie.
00:03:37: Die Alchemie ist uns ja bekannt als Goldmacherkunst, und Ziel aller Alchemisten war es angeblich, den Stein der Weisen herzustellen.
00:03:46: Der Stein der weisen ist eine hypothetische Substanz die dazu in Erlage ist alle minderwertigen Materialien zu vervollkommen das heißt also zum Beispiel minderwertiges Metallblei im Gold zu verwandeln das als Vollkommengalt und auch organische Materialien wie menschliche Körper aus ihrer irrtischen Unvollkommenheit zur Vollkommenheit zu bringen.
00:04:07: Und ein vollkommender menschlicher Körper ist gesund, er ist leistungsfähig und sehr langlebig – im besten Fall so langelebig wie die Patriarchen aus dem alten Testament, die meistens achthundert bis neunhundert Jahre alt geworden sind.
00:04:23: Da haben wir dann auch schon gleich unter besten Umständen zu erwartende Lebensspanne eines Menschen, nämlich wenn man die mittelalterlichen Philosophen befragt.
00:04:32: Dann gilt als maximale Lebensspanne eines Menschen hypothetisch so neunhundert Jahre vor der Sinnflut, weil nach der Sinnflut wurde, Das Leben fiel schlechter, die Menschen wurden immer kleiner.
00:04:49: Die Sitten vervielen und so weiter und so fort.
00:04:51: Aber mithilfe alchemischer Superarznein sollte es möglich sein diesen Verfaltprozess wieder umzuklären.
00:04:58: Daher!
00:04:59: Was sind denn jetzt diese alchemischen Superarze?
00:05:01: Nein das ist in erster Linie Alkohol Aquavite, das Wasser des Lebens.
00:05:06: Das seit dem dreizehn Jahrhundert destilliert wurde.
00:05:08: Gold auch in Form von Trinkgold, galt als herzstärkend und lebensverlängernd und natürlich Quintessenzen, das fünfte Element Quinta essenzia dass ein Teil Das Himmels sein sollte dann noch die Elixier-Rib und ein Elixir.
00:05:27: Das können wir heutzutage auch noch, das ist meistens was Alkoholhaltiges mit Kräuter auszügen.
00:05:32: in der mittelalterlichen Alchemie ist aber das Elixyr sozusagen das medizinische Equivalent zum Stein der Weisen beziehungsweise ist das Elexier des Steins.
00:05:42: Das heißt, man hat ein ganzes philosophisches Gerüst um diese Lebensverlängerung und Verjüngungsstrategien der Alchemie gesponnen und es hatte auch einen Hintergrund.
00:05:52: Man wollte nicht das Gesundheitssystem entlasten sondern man wollte im dreizehnten Jahrhundert die Menschen stärken damit sie zum erwarteten Weltuntergang nach besten Kräften im Kampf gegen den Antikristen helfen sollten.
00:06:07: Bei
00:06:07: der Ambition, neunhundert Jahre alt zu werden ist natürlich auch verständigt dass die Menschen im Mittelalter schon nach Antifaltenmittel gesucht haben.
00:06:14: was nutzen die Menschen in dem Mittelalter um ihre Falten zu glätten und möglichst lange jung auszusehen?
00:06:19: Ja ganz klassisch im Mittelalter benutzen sie zum Beispiel Harz Kombination wie Benzoating-Tour.
00:06:28: Benzoing-Tou ist heutzutage in der Kosmetik teilweise auch noch zu finden, wenn so ein Harz sehr wohlriechend ist und das kann man dann in klärende straffende Gesichtswässer mischen.
00:06:40: Das heißt die Berühren von Harz mit der Haut verleiht natürlich auch einen Gefühl, dass sich die Haut ein wenig strafft.
00:06:47: Ein klassisches Mittel für die Gesichtspflege, eine reine weiße glatte Haushaut ist gemahlene Lilien-Burzel.
00:06:54: Damit wurden sowohl die Hände bearbeitet als auch das Gesicht und legendär die Silberglette.
00:07:01: Die Silberglette ist ein Bleioxid, das dann Bestandteil von diesen berüchtigten Bleischminken waren wie eine glatte weiße Haut.
00:07:09: Dann garantierten aber unter der glattenweißen Schicht es sich natürlich der Langzeitschäden von Bleivergiftungen auf.
00:07:16: bemerkbar machen.
00:07:17: Das heißt, die Haut hat das nicht so gut aufgenommen.
00:07:19: Also das ist dann sozusagen nur ein Trugmittel für einen auf den ersten Blick schönen Taar.
00:07:25: aber darunter verbirgt sich dann das was eben da nicht mehr so schön ist.
00:07:29: Die mittelalterlichen Methoden zur Gesichtspflege waren noch relativ traditionell.
00:07:36: im Barockzeitalter hat sich das Ganze dann nochmal verändert und wurde zunehmend unangenehmer.
00:07:42: Da hat man nämlich entdeckt, dass schon in der antike Kotpräparate zur Hautpflege verwendet worden sind wie zum Beispiel der Kot von Erdkrokodilen.
00:07:52: da hat man dann Präparaten zur Haut Pflege daraus hergestellt.
00:07:55: es ist später auch in der berüchtigten Dreckapotheke aufgenommen worden.
00:07:59: das ist was was ist heutzutage gar nicht mehr gibt, wobei es eine Influencerin gibt die mit solchen Produkten auf sich aufmerksam gemacht hat aber natürlich dafür auch stark kritisiert worden ist.
00:08:11: Alle Materialien die glatt und glänzend waren wie zum Beispiel Froschleich oder destillierte Schnecken oder Schneckenschleim konnten in der Gesichtskosmetik verwendet werden.
00:08:23: das kühlt und befeuchtet die Haut.
00:08:26: Und außerdem sollte das so eine Art Signatureffekt hervorrufen, nämlich der kühleglänzende Froschleiche und die glänzenden Neckenspur sollten dann sozusagen diese glänztende glatte Eigenschaften auf die Haut übertragen.
00:08:38: Das Ganze konnte dann noch mit Quexelmasublimat angereichert werden wie wieder eine hochtochterische Substanz, massiv die Hautschichten und die Hornhaut angreift.
00:08:49: Und auch zu schweren Vergiftungserscheinungen führt, also ungefähr genauso zielführend wie die Blyoxid-Salbe, die gerne verwendet worden ist.
00:08:59: Also bei diesen Produkten zur Gesichtspflege ist doch größte Vorsicht angeraten.
00:09:04: Wenn man jetzt allerdings schaut... Kosmetikpräparaten heutzutage noch im Handel erhältlich ist, da muss man staunen.
00:09:13: Tatsächlich habe ich einen Schneckepräparat gefunden zur Hautpflege und Anti-Aging des Weiteren ein Präparat das seine Wirkkraft auf Schlangen zurückführt was vermutlich nicht Schlangengift.
00:09:27: Schlangengeft ist ja ansonsten in der medizinischen Forschung mittlerweile intensiv beforst.
00:09:32: aber auch in der Kosmetika haben diese, sagen wir mal so relikte alter Traditionen doch wieder einen ganz schönen Zuwachs erfahren.
00:09:42: Welche Rolle spielten denn Apothekerinnen und Apothekar bei der Entwicklung und Verbreitung solcher Mittel?
00:09:47: Oh die spielte eine ziemlich große Rolle.
00:09:49: allerdings treten die Apotheka erst da offiziell in Erscheinung wo diese ganze Modeströmung schon, sagen wir mal so in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.
00:09:59: Apotheker waren ja ab dem sechzehnten Jahrhundert verpflichtet nach den Vorschriften in den sogenannten Pharmakopöen zu arbeiten und die Pharmakoppöen waren vom Charakter her konservativ also da konnte nicht jemand kommen und dann alles umschmeißen.
00:10:15: Das dauerte da eine ganze Weile, tatsächlich mit alchemischen Präparaten tat man sich mit den Pharmakopölen ziemlich schwer so dass wir erst im Verlauf des siebzehnten Jahrhunderts vermehrt alchemische Präprate ins besondere parazysistische Prärate in den Pharmacopönen finden.
00:10:32: letztlich ist auch die Aufnahme von Alchemischen präparaden jetzt in die offizielle Literatur vor allem dem Parazysmus zu verdanken.
00:10:42: Das ist jetzt die offizielle Seite, dass Apotheken auch sozusagen Off-Label schon früher desillierte Wässer und alkoholische Pflanzenextrakte angeboten haben.
00:10:52: Ist natürlich eine Sache von Angebot und Nachfrage.
00:10:56: Und der Konsum und die Herstellung von archimischen Wässern war um fifteenhundert so beliebt das auch in größeren Apothekens sowas schon hergestellt werden konnte und vertrieben wurde.
00:11:08: Für alle deren Interesse Sie jetzt geweckt haben, wann genau findet denn die Spezialführung im Apothekenmuseum statt?
00:11:14: Die findet statt am Samstag dem einund dreißigsten um neunzehn Uhr.
00:11:19: Und sind noch Plätze frei?
00:11:20: Nö ja drei vier Plätze sind noch frei ansonsten sind wir schon ausgebucht.
00:11:25: Alles klar!
00:11:26: Gibt es denn sonst neue Highlights in Museum?
00:11:28: nennen sie gerne mal zwei Beispiele warum sich ein Besuch aktuell besonders lohnt.
00:11:33: In der Weihnachtszeit lohnt sich natürlich ein Besuch im Museum immer, weil in unserem gut bestückten Museumsschock sich schon ein paar vorweihnachtliche Geschenkeinkäufe anbieten.
00:11:44: Ansonsten ist gerade in der Ausstellung aktuell nichts so Neues.
00:11:50: aber im nächsten Jahr, im Herbst lohnt es sich auf jeden Fall einen Besuch, da nämlich eine unserer Ausstellungsräume ganz neu konzipiert bzw.
00:11:59: ergänzt wird unsere Rotdrogensammlung, die Materia Medica.
00:12:03: also da kommen viele Vitrien zu modernen und modernsten Arzneimitteln dazu sowie Multimedia Stationen an denen man sich austoben kann.
00:12:12: alte Texte werden überarbeitet und aktualisiert das heißt es ist ein größeres Projekt gerade unsere ganze kreative Energieband.
00:12:19: Mehr zu den Neuheiten des Deutschen Apotheken-Museums können Sie liebe Zuhörerinnen und Zuhörer dann in der Museumsbeilage der PZ lesen, die Ende des Jahres erscheinen wird.
00:12:29: Und damit vielen Dank fürs Zuhören!
00:12:30: Und Ihnen Frau Röstel, vielen dank, dass sie dabei war.
00:12:32: Wir
00:12:33: bedanken uns ebenfalls!
00:12:35: Bis zum nächsten Mal!